Schlechtes Licht. Ich sah nur grau. Was war das? Ein Bett? Wohl möglich. Es war alles so verschwommen. Warum sah ich hier nur so schlecht? Als ich mich versucht habe zu bewegen spührte ich nichts, weder Arme noch Beine. Ich sah an mir herunter und sah Metall um meinen Beinen. Meine Arme lagen auf dem Schoß. In meinen Adern steckten Nadeln, die mit Schläuchen verbunden waren. Ich blickte auf ein paar alte Hände, die mir über 50 Jahre Geschichte erzählten. Meine aufrechte Position verdankte ich einen Stuhl mit zwei Rädern an jeder Seite.
Eine Schwester beugte sich hinter mir zu mein linkes Ohr hinüber und sprach zu mir. “Wollen Sie das wirklich?” und ich nickte. Sie schob mich in ein Zimmer an ein Bett auf dem ein kleines Mädchen saß. Ihre Haare waren blond und sie trug ebenfalls ein Nachthemd, so wie ich es trug. Ich erkannte ihr Gesicht nicht, denn Sie saß mit dem Rücken zu mir abgewandt. Das Zimmer war ebenfalls nicht sehr hell. Ich fühlte mich so als wäre dies meine letzte Mission. Ich fühlte mich schuldig als ich sie ansah. Es war still in jenen Minuten, bis das kleine Mädchen mir die Frage stellte. “Warum ausgerechnet wir? Ist es schön dort?”. Sie drehte sich um und schaute mich erwartungsvoll und gleichzeitig besorgt an.
Ich fing an zu überlegen. Was sollte ich ihr sagen? Doch ich konnte nichts sagen. Ich sah nur in Ihre wunderschönen blauen Augen. Sie sah aus wie ein kleiner Engel. Ich konnte in diesem Moment einfach nichts von mir geben und wir sahen uns einfach nur an. Ich dachte mir nur eins, was ich mal hörte: “Oft ist es so wie ist und doch ganz anders.” und erst jetzt ergab es einen Sinn. Wir werden dort wohin wir gehen glücklich sein und nie mehr allein sein. Ich sagte nichts und doch verstand sie. Sie nickte mehrmals langsam mit Tränen in den Augen, als könnte Sie hören was ich denke. Ich fühlte mich traurig, aber andererseits auch glücklich und ich weinte ebenfalls. Das war das letzte was ich sah, so dachte ich jedenfalls als es plötzlich dunkel wurde. Doch es war nicht das Letzte, was ich sah. Das Nächste was ich sah war ein alter Mann mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Seine Augen waren geschlossen so als würde er schlafen. Die Schwester kam herein und schob ihn heraus. In dem Moment fühlte ich was es bedeutet loszulassen und ich wurde sehr traurig.
Eine Schwester kam zu mir, nahm mich in die Arme und sagte: “Er ist jetzt glücklich. Es geht ihm jetzt besser. Es tut mir so Leid mein Schatz.”. Sie strich durch meine blonden Haare. Die Gefühle und der Schmerz von seinem Tod überranten mich und ich weinte bitter. Erst jetzt war er mir nicht mehr fremd. Ich hatte vorher immer Angst vor seinem Aussehen. Die vielen Schläuche, die ihn am Leben hielten, seine traurigen Augen und sein starres Schweigen, so als wollte er sterben. Ich hatte Angst ihn anzusehen, weil es so weh tat ihn so zu sehen, deshalb wendete ich mich immer ab.
Irgendwann nach Jahren verstand ich es was er da tat. Er war ein Teil von mir und noch heute spühre ich diese Wärme, die er mir zum Abschied gab, so als würde er mich umarmen und mich beschützen. Das Gefühl alleine zu sein schwand und ich erinnerne mich immer wieder an diesen Abend. Mir wurde klar, daß egal wohin ich gehe ich niemals allein sein werde. Mein schlimmster Tag war ein Tag der Vergebung, der Tag wo man mir die Angst nahm und ich ein neues Leben geschenkt bekommen habe. Mein Name ist Anna Joanne Thoss, ehemals Patientin 82, Station für Leukemieerkrankte, St. Vincent Hospital Bochum.
“Es ist schön hier zu sein, Dad.”

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